OTIF (On Time, In Full): Der umfassende Leitfaden für Ihr Supply Chain Management
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- Was ist OTIF? Eine umfassende Definition für die moderne Logistik
- OTIF vs. OTD, DIFOT & Fill Rate: Die wichtigsten Logistik-KPIs im Vergleich
- Die OTIF Formel: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur korrekten Berechnung
- Was ist eine gute OTIF-Rate? Benchmarks und realistische Ziele
- How to improve OTIF: Strategien und Hebel zur Optimierung
- OTIF in der Praxis: Tools für Reporting und Analyse
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Seit Walmart die OTIF-Kennzahl als Standard etabliert hat, gilt sie weltweit als entscheidender Maßstab für Lieferketten-Performance. Unternehmen sehen sich zunehmend unter Druck, nicht nur rechtzeitig, sondern auch vollständig zu liefern. Ein Anspruch, der über klassische KPIs wie OTD oder Fill Rate hinausgeht. Die Folgen sind klar: Wer OTIF nicht im Griff hat, riskiert Strafzahlungen, steigende Logistikkosten und schwindendes Vertrauen seiner Geschäftspartner.
Gleichzeitig eröffnet OTIF enorme Chancen. In einer datengetriebenen Wirtschaft wird Transparenz entlang der gesamten Supply Chain zum Schlüssel für Wettbewerbsvorteile und Kundenzufriedenheit. Unternehmen, die ihre OTIF-Rate systematisch analysieren und verbessern, schaffen nicht nur operative Effizienz, sondern stärken auch ihre Position am Markt. Kurz: OTIF ist mehr als ein KPI, denn es ist ein strategisches Steuerungsinstrument.
Was ist OTIF? Eine umfassende Definition für die moderne Logistik
Was ist OTIF? Diese Frage stellen sich viele Führungskräfte, sobald sie das erste Mal mit der Kennzahl in Berührung kommen.
Die Abkürzung steht für On Time, In Full und bedeutet: Eine Lieferung wird nur dann als erfolgreich gewertet, wenn sie sowohl rechtzeitig als auch vollständig ankommt. Kein Entweder-oder, sondern beides gleichzeitig. Genau diese Kombination macht OTIF zu einer der härtesten, aber auch aussagekräftigsten logistischen Kennzahlen überhaupt.
Während klassische Messgrößen oft nur einen Teil des Prozesses abbilden, zwingt die OTIF-Kennzahl Unternehmen dazu, die gesamte Supply Chain zu betrachten. Vom Bestelleingang über die Lagerprozesse bis hin zum Transport: Jede Schwachstelle wirkt sich direkt auf die OTIF-Rate aus.
Deshalb ist OTIF heute weit mehr als ein operatives Messinstrument. Es ist ein Indikator für Liefertreue, Prozessqualität und letztlich für die Fähigkeit, Kundenerwartungen zuverlässig zu erfüllen.
Die Komponente „On Time“: Mehr als nur pünktlich
Pünktlichkeit klingt einfach. Doch in der Praxis ist „On Time“ eine hochkomplexe Anforderung. Es geht nicht nur um das Kalenderdatum, sondern um das exakte Lieferfenster, das oft in Service Level Agreements (SLA) vertraglich festgelegt ist. Für Amazon oder Walmart bedeutet eine verspätete Lieferung oft schon eine minütliche Abweichung vom vereinbarten Zeitfenster.
Hinzu kommt: „On Time“ ist immer aus Kundensicht definiert. Es reicht also nicht, dass die Ware das Lager verlässt. Entscheidend ist, wann sie beim Empfänger ankommt. Damit rückt die gesamte Transportkette in den Fokus: Von der Routenplanung über die Schnittstellen zu Spediteuren bis hin zur Sendungsverfolgung in Echtzeit. Selbst kleinste Verzögerungen, etwa durch ungenaue Prognosen oder fehlende Transportkapazitäten, können die OTIF-Rate nach unten ziehen.
Die Komponente „In Full“: Perfektion bis ins Detail
„In Full“ klingt nach einem simplen Häkchen in der Checkliste: vollständige Lieferung. Doch dahinter steckt weit mehr. Gemeint ist nicht nur die richtige Stückzahl, sondern auch die korrekte Artikelvariante, Verpackung und Qualität. Ein Kunde, der 100 Einheiten bestellt und 95 erhält, bewertet die Lieferung nicht als erfüllt. Ebenso wenig, wenn zwar 100 Einheiten ankommen, aber fünf davon beschädigt sind.
Damit zeigt die Komponente „In Full“ gnadenlos jede Schwäche im Bestandsmanagement auf. Fehlbestände, Überlieferungen oder Verwechslungen im Lager schlagen direkt auf die Kennzahl durch. Und: Je komplexer die Produktpalette, desto schwieriger wird es, eine hohe OTIF-Rate zu halten. Genau hier zeigt sich, wie eng OTIF-Formel und Prozessqualität in Lager und Distribution miteinander verflochten sind.
Die Geschichte hinter der Kennzahl: Warum Walmart OTIF zum Branchenstandard machte
Der eigentliche Durchbruch der OTIF-Messung kam 2017, als Walmart die Kennzahl verpflichtend für seine Lieferanten einführte. Der Grund war simpel: Das Unternehmen wollte verhindern, dass fehlende oder verspätete Artikel zu leeren Regalen führen und damit zu Umsatzverlust. Wer die OTIF-Berechnung nicht bestand, musste mit Strafzahlungen rechnen.
Dieses Modell machte Schule. Heute setzen nicht nur US-Retailer, sondern auch europäische Handelsketten auf OTIF. Die Folge: Lieferanten mussten ihre gesamten Abläufe neu denken. Plötzlich reichte es nicht mehr, „irgendwie pünktlich“ zu liefern. Nur Unternehmen, die konsequent ihre Supply Chain transparent machten, Prognosen verbesserten und eng mit Partnern kooperierten, konnten bestehen. OTIF wurde so vom Nischenindikator zum weltweiten Maßstab für Liefertreue.
OTIF vs. OTD, DIFOT & Fill Rate: Die wichtigsten Logistik-KPIs im Vergleich
Wer nur OTD (On-Time Delivery) oder Fill Rate im Blick hat, kennt das Problem: Die Zahlen sehen gut aus, aber die Realität beim Kunden erzählt eine andere Geschichte. Deshalb ist der Vergleich dieser KPIs entscheidend, um die Rolle von OTIF wirklich zu verstehen.
OTD vs OTIF: Pünktlichkeit allein ist nicht genug
Viele Unternehmen verlassen sich auf On-Time Delivery (OTD), weil es einfach zu messen ist. Doch diese Kennzahl ist gnadenlos eindimensional: Sie zeigt nur, ob die Lieferung ankam und nicht, ob sie komplett war. Ein Beispiel: Von 1.000 Bestellungen treffen 950 pünktlich ein. OTD = 95 %. Klingt beeindruckend. Aber wenn von diesen 950 Lieferungen 150 unvollständig waren, rutscht die OTIF-Rate sofort deutlich nach unten.
Genau dieser Unterschied entscheidet im Alltag über Kundenzufriedenheit. Für einen Einkäufer zählt nicht die Transportpünktlichkeit allein, sondern ob die Regale gefüllt werden können. Hier zeigt sich: Eine glänzende OTD-Quote kann eine schwache OTIF-Leistung kaschieren und damit eine falsche Sicherheit erzeugen.
DIFOT vs. OTIF: Ein regionaler Unterschied?
DIFOT wird vor allem in Australien, Neuseeland und Großbritannien verwendet, während OTIF im europäischen und US-amerikanischen Markt Standard ist. Methodisch gibt es keinen Unterschied: Beide messen die vollständige und rechtzeitige Lieferung.
Praktisch relevant ist die Unterscheidung trotzdem. Multinationale Unternehmen müssen KPI-Berichte oft länderübergreifend vergleichen. Wenn in einem Markt „DIFOT“ und im anderen „OTIF“ verwendet wird, können falsche Interpretationen entstehen. Wer also internationale Lieferketten steuert, sollte bei jeder Abkürzung nachfragen: Handelt es sich wirklich um dieselbe Definition?
Fill Rate vs OTIF: Die Perspektive des Lagers
Die Fill Rate ist ein Lager-orientierter KPI: Sie zeigt, wie viele Bestellungen aus dem vorhandenen Bestand sofort erfüllt werden können. Das ist nützlich für das interne Bestandsmanagement, etwa um Engpässe oder Überbestände sichtbar zu machen.
Doch für den Kunden ist die Fill Rate wertlos, wenn die Lieferung zwar theoretisch verfügbar, aber verspätet eintrifft. Oder wenn der Bestand korrekt gebucht ist, die Ware aber beim Transport beschädigt wird. Genau hier setzt OTIF an: Es verbindet Bestands- und Transportperspektive und ist damit kundenorientiert. Nur OTIF beantwortet die eigentliche Frage: Hat der Kunde seine Bestellung vollständig und rechtzeitig erhalten?
Vergleichstabelle: OTD, DIFOT und Fill Rate im Kontext von OTIF
Um die Unterschiede klarer sichtbar zu machen, lohnt sich ein direkter Vergleich der Kennzahlen. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich OTD, DIFOT und Fill Rate von OTIF abgrenzen und warum OTIF als umfassendste KPI gilt.
| KPI | Fokus / Definition | Stärken | Schwächen | Unterschied zu OTIF |
|---|---|---|---|---|
| OTD (On-Time Delivery) | Misst, ob Lieferungen zum vereinbarten Termin ankommen | Einfach zu erheben, gute Indikation für Transportleistung | Ignoriert Vollständigkeit der Lieferung | OTIF kombiniert OTD mit Vollständigkeit |
| DIFOT (Delivered In Full, On Time) | Regionale Bezeichnung für OTIF (v.a. UK, Australien) | Gleiche Logik wie OTIF, international verbreitet | Terminologie variiert → Gefahr von Missverständnissen | Inhaltlich identisch mit OTIF |
| Fill Rate | Anteil der Bestellungen, die sofort aus Lagerbestand bedient werden | Hilfreich fürs Bestandsmanagement, zeigt Lagerengpässe | Keine Aussage über Pünktlichkeit oder Transportschäden | OTIF ergänzt um Zeit- und Kundenperspektive |
| OTIF (On Time, In Full) | Kombination aus rechtzeitig + vollständig | Ganzheitlich, kundenorientiert, messbar entlang der gesamten Supply Chain | Anspruchsvoll in Datenerfassung und -qualität | Überlegenste KPI für Liefertreue und Kundenzufriedenheit |
Die OTIF Formel: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur korrekten Berechnung
Die Berechnung der OTIF-Kennzahl ist auf den ersten Blick simpel. Dennoch steckt der Teufel im Detail, vor allem in der sauberen Datenerfassung. Grundsätzlich gilt die folgende OTIF-Formel:
OTIF (%) = (Anzahl der Aufträge, die „On Time“ UND „In Full“ waren / Gesamtzahl der Aufträge) × 100
Wichtig ist: Nur Aufträge, die beide Bedingungen erfüllen, zählen als erfolgreich. Eine Lieferung, die pünktlich, aber unvollständig ist, geht ebenso wenig in den Zähler ein wie eine vollständige, aber verspätete Lieferung.
Praktisches Beispiel zur OTIF Berechnung
Nehmen wir ein Szenario: Ein Unternehmen bearbeitet im Monat 1.000 Bestellungen.
- 920 davon wurden pünktlich geliefert (On Time).
- 950 waren vollständig (In Full).
- Doch nur 880 erfüllten beide Kriterien gleichzeitig.
Damit ergibt sich:
OTIF (%) = (880 / 1.000) × 100 = 88 %
Auf den ersten Blick sehen die Einzelwerte für Pünktlichkeit (92 %) und Vollständigkeit (95 %) stark aus. Erst die OTIF-Berechnung deckt die eigentliche Lücke auf: Nur 88 % der Kunden haben ihre Bestellung wirklich so erhalten, wie sie es erwartet haben. Genau hier zeigt sich die Stärke der Kennzahl: Sie zeigt einen realistischen Blick auf die gesamte Supply Chain.
Wichtige Nuancen: Was bei der Datenerfassung zu beachten ist
Die Berechnung steht und fällt mit konsistenten Daten. Schon kleine Abweichungen in der Definition können die OTIF-Rate massiv verzerren. Zu den häufigsten Stolperfallen gehören:
- Uneinheitliche Definition von „On Time“: Zählt das Lieferdatum, das Zeitfenster oder die exakte Uhrzeit? Ein global agierendes Unternehmen muss diese Standards klar definieren, sonst werden Berichte unvergleichbar.
- Fehlende Transparenz bei Teillieferungen: Viele ERP-Systeme buchen Teillieferungen automatisch als „erfüllt“. Für die OTIF-Kennzahl sind sie jedoch nicht vollständig.
- Unklare Datenschnittstellen: OTIF-Daten fließen aus Lager, Transport und ERP-Systemen zusammen. Unsaubere Stammdaten oder fehlende Integrationen führen schnell zu falschen Werten.
- Unterschiedliche Betrachtungseinheiten: Manche Unternehmen messen auf Positionsebene (Artikelzeilen), andere auf Auftragsebene. Beide Ansätze sind korrekt, solange sie konsequent durchgehalten werden.
Ein klar definierter Reporting-Standard ist daher Pflicht. Nur dann bildet die OTIF-Rate die tatsächliche Lieferperformance ab und lässt sich gezielt verbessern.
Was ist eine gute OTIF-Rate? Benchmarks und realistische Ziele
Eine der häufigsten Fragen lautet: „Welche OTIF-Rate gilt als gut?“ Die Antwort ist differenziert. Branchen, Produkte und Kundenanforderungen setzen unterschiedliche Maßstäbe.
Im Handel und in der Konsumgüterindustrie liegt die Erwartung oft bei 95 % und mehr. Walmart etwa forderte von seinen Lieferanten zeitweise sogar 98 % OTIF. Andere Branchen wie Maschinenbau oder Chemie akzeptieren etwas niedrigere Quoten, weil Lieferungen komplexer und Spezialkomponenten schwerer planbar sind.
Wichtig ist, dass Unternehmen nicht blind einem externen Benchmark hinterherlaufen. Entscheidend ist die eigene Supply Chain-Struktur: Wie stabil sind die Prognosen? Wie zuverlässig sind die Lieferanten? Welche Toleranzen gewähren Kunden?
Die OTIF-Kennzahl wird dann aussagekräftig, wenn sie im Kontext betrachtet wird: Ein Wert von 92 % kann für ein Unternehmen mit komplexen Produktionsketten ein Erfolg sein, während er für einen Retailer mit Massenprodukten unzureichend wäre. Realistisch gesetzte Ziele verhindern Frustration und schaffen die Grundlage für ein kontinuierliches OTIF-Verbessern.
How to improve OTIF: Strategien und Hebel zur Optimierung
Eine hohe OTIF-Quote ist kein Zufallsprodukt, sondern das Resultat systematischer Arbeit entlang der gesamten Supply Chain. Vier zentrale Hebel stehen im Fokus:
Prozessoptimierung in Lager und Versand
Ein erheblicher Teil der OTIF-Verluste entsteht in der letzten Phase vor der Auslieferung, wenn Fehler in Lager- und Versandprozessen auftreten.
- Einsatz moderner Warehouse-Management-Systeme (WMS):
Ein leistungsfähiges WMS minimiert Kommissionierfehler durch automatische Bestandsführung, klare Pick-by-Voice- oder Pick-by-Light-Anweisungen und Echtzeit-Validierung der Artikel. Dadurch sinkt die Fehlerquote bei der Auftragszusammenstellung deutlich, was unmittelbare Auswirkungen auf die Lieferleistung hat.
- Klare Priorisierung im Versand:
Nicht alle Aufträge sind gleich wichtig. Durch ein Priorisierungssystem lassen sich kritische Kundenaufträge automatisch kennzeichnen und in der Abwicklung vorziehen. Das reduziert das Risiko von SLA-Verstößen, da die Prozesse konsequent auf die vertraglich relevanten Lieferungen ausgerichtet sind.
- Enges Monitoring der Lieferleistung auf Tagesbasis:
Anstatt erst am Monatsende Kennzahlen zu analysieren, wird die Lieferleistung täglich überprüft. Mit diesem Ansatz können Abweichungen sofort identifiziert und korrigiert werden, beispielsweise durch Umplanung von Transportkapazitäten oder gezielte Verstärkung der Verpackungslinien. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass kleine operative Störungen zu systematischen OTIF-Verlusten anwachsen.
Datengetriebenes Supplier OTIF Management
Ein schwacher Supplier OTIF ist oft die Wurzel schlechter Ergebnisse. Wenn Materialien verspätet eintreffen oder Teillieferungen üblich sind, können Unternehmen selbst bei stabilen Prozessen nicht pünktlich und vollständig liefern.
Best Practice ist ein datengetriebener Ansatz:
- Lieferantenleistung regelmäßig messen und transparent machen.
- OTIF-Berechnung nicht nur auf Kundenebene, sondern auch auf Zulieferstufe anwenden.
- Zusammenarbeit forcieren: statt reiner Sanktionen gemeinsame Maßnahmen zur Prozessverbesserung entwickeln.
Ein konsequent gemanagter Supplier OTIF stärkt die gesamte Supply Chain und verhindert Schwächen bei der Liefertreue.
Verbesserung der Prognosegenauigkeit (Demand Forecasting)
Fehlerhafte Bedarfsplanung führt zu Unter- oder Überbeständen und beide Szenarien zerstören die Liefertreue. Moderne Prognosemodelle kombinieren historische Daten mit Echtzeitinformationen wie Absatzmustern, Saisonalitäten oder Markttrends.
Je genauer die Nachfrage vorhergesagt wird, desto weniger Engpässe oder Überlieferungen entstehen. Unternehmen mit hoher Forecast Accuracy berichten regelmäßig über signifikante Verbesserungen ihrer OTIF-Rate.
Technologie als entscheidender Faktor
Der gezielte Einsatz moderner Technologien ist entscheidend, um eine gute OTIF-Kennzahl langfristig zu sichern. Automatisierte Systeme überwachen Bestände in Echtzeit und lösen sofort Warnungen aus, sobald sich Engpässe abzeichnen.
So können Unternehmen rechtzeitig nachsteuern, bevor Lieferausfälle entstehen. Ergänzend sorgt KI-gestützte Tourenplanung dafür, dass Routen unter Berücksichtigung von Verkehrsprognosen und Lieferfenstern dynamisch optimiert werden, was die Termintreue erhöht. Noch wichtiger ist die lückenlose Transparenz entlang der Transportkette: Mit Echtzeit-Tracking werden Verzögerungen sofort sichtbar und erlauben ein proaktives Eingreifen.
Dadurch lassen sich Abweichungen direkt im Prozess abfangen, was die Stabilität und Verlässlichkeit der gesamten Lieferleistung deutlich steigert und die OTIF-Kennzahl kontinuierlich stärkt.
OTIF in der Praxis: Tools für Reporting und Analyse
Eine hohe OTIF-Rate setzt präzises Monitoring voraus. Nur wer weiß, wo Verluste entstehen, kann gezielt gegensteuern. Dabei spielen Reporting-Tools eine entscheidende Rolle.
OTIF in SAP: Wie Sie Ihre Daten aus dem ERP-System nutzen
Viele Unternehmen arbeiten mit SAP als zentrales ERP-System. Hier liegen die Daten zu Bestellungen, Lieferungen, Retouren und Beständen, also die Basis für jede OTIF-Berechnung.
Über Standardreports oder individuelle SAP-Analysen lassen sich Abweichungen sichtbar machen: Welche Aufträge waren unvollständig? Wo kam es zu Verspätungen? Durch die Kombination von OTIF-Kennzahl mit anderen SAP-Daten (z. B. Lieferantencodes oder Transportdienstleister) wird deutlich, an welcher Stelle der Supply Chain die Probleme entstehen.
Von der OTIF Calculation Excel zum interaktiven OTIF Dashboard
Viele Unternehmen starten ihre Analyse in Excel: einfache OTIF-Formel, manuelle Pflege, monatliches Reporting. Das reicht für den Einstieg, ist aber fehleranfällig und wenig dynamisch.
Der nächste Schritt ist ein OTIF-Dashboard: interaktiv, automatisiert, mit Echtzeitdaten. Solche Dashboards, sei es in Power BI, Tableau oder integriert in SAP, ermöglichen eine schnelle Drill-down-Analyse bis auf Auftragsebene. Das Ergebnis: Statt monatelanger Auswertungen können Probleme innerhalb von Stunden identifiziert und behoben werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Hauptunterschied zwischen Inbound- und Outbound-OTIF?
Inbound-OTIF misst die Performance von Lieferanten in Richtung Ihres Unternehmens: Kommen Materialien und Komponenten rechtzeitig und vollständig an? Outbound-OTIF dagegen bewertet Ihre eigene Lieferleistung gegenüber dem Kunden. Beide Kennzahlen sind wichtig, weil sie an unterschiedlichen Stellen der Supply Chain Transparenz schaffen. Unternehmen, die sowohl inbound als auch outbound messen, haben einen klaren Überblick, wo sie Prozesse und Liefertreue gezielt stärken können.
Wie wirken sich Strafen (OTIF penalties / fines) von Großkunden wie Amazon oder Walmart auf mein Geschäft aus?
Strafen großer Händler entstehen, wenn definierte OTIF-Schwellen unterschritten werden. Bei Amazon oder Walmart reichen schon wenige abweichende Prozentpunkte, um Kosten im fünfstelligen Euro-Bereich zu verursachen. Diese OTIF-Penalties erhöhen nicht nur direkt die Logistikkosten, sondern schwächen auch die Verhandlungsposition gegenüber dem Kunden. Deshalb ist es entscheidend, OTIF systematisch zu monitoren und kontinuierlich OTIF zu verbessern. Wer hier früh gegensteuert, schützt nicht nur Margen, sondern stärkt langfristig die Liefertreue.
Kann man OTIF auch in der Produktion (OTIF manufacturing) anwenden?
Ja. OTIF lässt sich auf Fertigungsprozesse übertragen: Wurde ein Produktionsauftrag termingerecht („On Time“) und ohne Abweichungen in Menge oder Qualität („In Full“) erfüllt? Damit wird OTIF zu einem universellen Steuerungsinstrument in der gesamten Supply Chain: Von der Beschaffung über die Fertigung bis zur Distribution. Unternehmen, die OTIF in der Produktion messen, erkennen früh Engpässe und können so gezielt ihre Gesamtperformance und Prozessqualität OTIF verbessern.
Welche Daten benötige ich für einen aussagekräftigen OTIF Report?
Für einen belastbaren Report müssen Daten aus verschiedenen Quellen konsistent zusammengeführt werden:
- Bestell- und Lieferdaten aus dem ERP-System.
- Lagerbewegungen und Verfügbarkeiten, um Teillieferungen sichtbar zu machen.
- Transportdaten inklusive Zustellzeitpunkt beim Kunden.
Ein zentrales Reporting-Tool oder OTIF in SAP hilft, diese Datenquellen zu integrieren. Ein gutes Reporting zeigt nicht nur die Gesamtquote, sondern ermöglicht Drill-downs bis auf Auftragsebene. So wird OTIF zu einer operativen und strategischen Kennzahl, die echte Transparenz in der Supply Chain schafft.

